Orientierungslauf in Westfalen
Orientierungsläufe beim 1. Rheinisch-Westfälischen Landesturnfest in Gütersloh
Der hohen Zahl von Turnerjugendgruppen, die den Orientierungslauf als Qualifikationswettbewerb für die „Deutschen“ benötigte, ist es zu verdanken, dass bei diesem 1. Rheinisch-Westfälischen Turnfest überhaupt Orientierungsläufe stattfanden. Fast wären sie dem „njet“ der unteren Landschaftsbehörde zum Opfer gefallen, die um den Bestand einiger gefährdeter Arten fürchtete und sich nicht vorstellen konnte, dass man sie zum Beispiel durch Sperrgebiete schützen könnte. So musste der westfälische Landesfachausschuss OL die schon fertige Karte „Eselsstall“ einmotten und in einer Hauruckarbeit das Ersatzgebiet „An der Lutter“ kartieren.
Mit letzter Kraft ins Ziel
Dem Start der zehn von zwölf gemeldeten Turnerjugendgruppen standen danach nur ihre eigenen dicht gedrängten Wettkampfprogramme mit ihren Zeitverschiebungen sowie das rechtzeitige Erreichen der Shuttle-Busse im Wege. Trotzdem gingen alle gut gelaunt unter den Anfeuerungsrufen der begleitenden Teamkolleginnen und Betreuer an den Start.
Nach einem „0-Punkte-Reinfall“ im vergangenen Jahr, wo viele dem steilen und schwierigen Gelände Tribut zollen mussten, strebte nicht nur die damals betroffene Gruppe „möglichst 10 Punkte“ an. Das bedeutete, dass die flache, ca. 5 km lange Strecke in maximal 35 Minuten zu bewältigen war. Dafür war der Orientierungsanspruch gering und Routenwahlprobleme gab es wegen der Vorgaben der Umweltbehörde auch nicht. Die Nase vorn hatten einmal mehr die von Siegerländer OLern gut eingestielten Fellinghausener Mädchen. Sie kämpften sich bis zur Erschöpfung durch die Hitze des Tages und schafften die Strecke in 36:04 Minuten. 9,8 Punkte waren der verdiente Lohn.
Der Nachwuchs vom TV Obernbeck freut sich über die Punktzahl
Pech hatten zwei spät gestartete Mannschaften, denen Vandalen einen Streich spielten: Einen Posten bargen die Mädchen unter großem Zeitaufwand aus der Lutter, zwei weitere Posten waren ganz verschwunden. Das Schiedsgericht hat jedoch für die beiden Gruppen eine allseits akzeptierte Regelung gefunden.
Der harte Kampf um eine gute Zeit bescherte einer der jungen Turnerinnen eine Ergänzung ihrer schon langen „Krankenhaus-Liste“. Da sie ihre chronische Kreislaufschwäche nach dem Lauf nicht in den Griff bekam, sondern immer wieder „wegsackte“, beförderten sie die schnell herbei gerufenen Sanitäter ins Gütersloher Krankenhaus.
Trimm-OLer auf Abwegen
Über 200 Turnfestteilnehmer fanden den Weg zum Start des Trimm-Orientierungslaufes an der Bachlohde 3, ganz im Westen des Gütersloher Stadtteiles Isselhorst gelegen. Manche hatten da allerdings schon eine Odyssee durch die Stadthalle – immer auf der Suche nach Informationen – oder sogar zum Rhedaer Forst (dem ausgeschriebenen Austragungsort) hinter sich.
Versorgt mit Verhaltensmaßregeln (insbesondere dem Verbot, Wiesen und Felder zu betreten) oder sogar mit einer Grundeinweisung in den OL machten sich kleine und größere Vereinsgruppen, aber auch „Einzelkämpfer“ bei sonnigem Wetter auf den Rundweg entlang der Lutter.
Im Trab zum nächsten Posten
Am Freitagabend, dem ersten Trimm-OL-Tag, hatten allerdings gerade einmal 50 der gemeldeten Teilnehmer, dafür aber etliche Nachmelder das Ziel passiert. Besorgt wartete der Busfahrer des Shuttlebusses mit den Organisatoren noch auf drei schon lange „überfällige“ Turnschwestern. Nach Ablaufen der Strecke war klar: Dort waren sie nicht mehr unterwegs – sie mussten wohl aus der Karte gelaufen sein! Großes Aufatmen allerseits, als kurz darauf ein Turnfestbulli am Ziel hielt, in dem wohlbehalten die drei Ausbleiberinnen saßen: Sie hatten wirklich eine Abzweigung verpasst und waren in Marienfeld gelandet, wo sie (dem Handy sei Dank!) kurz vorher „eingesammelt“ worden waren.
Wie erwartet folgte auf den ruhigen Freitag am Samstag der große Ansturm. Besonders der Andrang von Nachmeldern war so groß, dass Karten und Urkunden knapp wurden. Kurzerhand wurden die übrig gebliebenen TGW-Karten für den Trimm-OL umgezeichnet, Blanko Urkunden nachgeliefert und per Hand ergänzt. Alle Starter blieben heiter und gelassen – und manch einer von ihnen, der den Engpass bemerkte, gab seine Karte im Ziel wieder ab, damit auch andere noch starten konnten.
„Da geht’s lang!“ – Trimm-OLer diskutieren die Route
Für die „Irrläufer“ dieses Tages – auch die gab es wieder – fungierte LFA-Mitglied Peter Gehrmann per Fahrrad als „Versprengten-Betreuer“. Bitter war nur das Verhalten von vier Jugendlichen, die sich nicht an die Regeln hielten und ihren Weg quer durch ein Feld mit Dicken Bohnen nahmen. Verständlich, dass der Bauer sauer war, zumal er sich auch noch dumme Sprüche anhören musste. Da bedurfte es vieler guter Worte um den guten Mann zu besänftigen.
Der Clou für Organisatoren und Helfer war die liebevolle Betreuung durch eine Anwohnerin: Frau Kamann hatte nicht nur ihr Grundstück als Start-/Zielgelände zur Verfügung gestellt; die alte Dame ließ es sich nicht nehmen, das Organisationsteam und die wartenden Busfahrer mit Getränken, Kaffee und Kuchen zu verwöhnen. So klang der zweite Wettkampftag laut Aussagen des diensthabenden Busfahrers fast so gemütlich aus „wie bei mir auf dem Campingplatz“...
Karin Schlaefke